Pflegeheime übernehmen: Warum Investoren wieder verstärkt in die Pflegebranche investieren

Investoren besprechen die Übernahme von Pflegeheimen und Pflegeunternehmen

Der deutsche Pflegemarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während in den vergangenen Jahren vor allem Insolvenzen, Fachkräftemangel und steigende Kosten die Schlagzeilen bestimmten, rückt zunehmend ein anderes Thema in den Fokus: Investoren wollen wieder verstärkt Pflegeheime übernehmen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Ankündigung der COREH CARE Holding, gemeinsam mit der INVEST AG mehr als 100 Millionen Euro in Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen investieren zu wollen. Ziel ist der Aufbau einer Pflege- und Gesundheitsplattform im deutschsprachigen Raum. Bereits heute gehören mehrere Einrichtungen zur Gruppe. Weitere Übernahmen sollen folgen.

Für Träger und Einrichtungsleitungen stellt sich damit eine wichtige Frage: Entsteht nach der Insolvenzwelle der vergangenen Jahre ein neuer Markt für Übernahmen und Nachfolgelösungen?

Warum Investoren Pflegeheime übernehmen wollen

Auf den ersten Blick überrascht das Interesse von Investoren an der Pflegebranche. Viele Einrichtungen kämpfen mit steigenden Personalkosten, zunehmender Bürokratie, Fachkräftemangel und wirtschaftlichem Druck.

Gleichzeitig verfügt die Branche über Eigenschaften, die für Investoren attraktiv sind. Der Bedarf an Pflegeleistungen wird aufgrund der demografischen Entwicklung langfristig weiter steigen. Viele Einrichtungen verfügen über stabile Auslastungen, etablierte Versorgungsverträge und eingespielte Teams.

Aus Sicht von Investoren handelt es sich daher häufig nicht um ein Nachfrageproblem, sondern um ein Struktur- und Organisationsproblem. Genau hier setzen viele Übernahmestrategien an.

Pflege-Insolvenzen schaffen neue Übernahmechancen

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Pflegeeinrichtungen wirtschaftliche Schwierigkeiten gemeldet. Einige Träger mussten Insolvenz anmelden, andere haben Standorte geschlossen oder sich aus einzelnen Regionen zurückgezogen.

Für Investoren entstehen dadurch neue Möglichkeiten. Viele Einrichtungen verfügen trotz wirtschaftlicher Probleme weiterhin über eine hohe Belegung und eine wichtige Versorgungsfunktion in ihrer Region.

Anstatt neue Pflegeheime zu bauen, kann es wirtschaftlich attraktiver sein, bestehende Einrichtungen zu übernehmen und organisatorisch neu aufzustellen. Besonders interessant sind dabei Betreiber, die grundsätzlich funktionieren, jedoch unter hohen Verwaltungskosten, Finanzierungsproblemen oder fehlenden Skaleneffekten leiden.

Buy-and-Build: Wie Investoren Pflegeunternehmen aufbauen

Die COREH CARE Holding verfolgt nach eigenen Angaben einen sogenannten „Buy-and-Build-Ansatz“.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine vergleichsweise einfache Strategie. Zunächst werden einzelne Pflegeunternehmen übernommen. Anschließend werden weitere Betreiber integriert und schrittweise zu einer größeren Unternehmensgruppe zusammengeführt.

Zentrale Verwaltungsaufgaben werden gebündelt, während die Einrichtungen vor Ort weitergeführt werden.

Typische Bereiche einer solchen Zentralisierung sind:

  • Finanzen und Controlling
  • Personalmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Einkauf
  • Abrechnung
  • Compliance
  • Digitalisierung

Das Ziel besteht darin, die Einrichtungen von administrativen Aufgaben zu entlasten und gleichzeitig wirtschaftliche Synergien zu schaffen.

Was bedeutet eine Übernahme für Pflegeheimbetreiber?

Für viele Betreiber wird die Frage nach einer Nachfolge oder einem strategischen Partner in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

Nicht jeder Träger verfügt über die finanziellen und personellen Ressourcen, um steigende regulatorische Anforderungen, Digitalisierung, Personalgewinnung und Qualitätsmanagement dauerhaft allein zu bewältigen.

Eine Übernahme kann daher unterschiedliche Ziele verfolgen:

  • Sicherung des laufenden Betriebs
  • Unterstützung bei Investitionen
  • Entlastung der Verwaltung
  • Nachfolgeregelung für Eigentümer
  • Sanierung wirtschaftlich belasteter Einrichtungen

Entscheidend bleibt jedoch, dass die Versorgungsqualität und die Interessen von Bewohnern sowie Mitarbeitenden langfristig gesichert werden.

Chancen und Risiken für Träger und Einrichtungsleitungen

Die zunehmende Konsolidierung des Marktes bietet sowohl Chancen als auch Risiken.

Zu den möglichen Vorteilen gehören:

  • Professionalisierung von Verwaltungsprozessen
  • Größere Einkaufsvorteile
  • Bessere Finanzierungsmöglichkeiten
  • Unterstützung bei Digitalisierung und Qualitätsmanagement
  • Höhere organisatorische Stabilität

Gleichzeitig bestehen Risiken:

  • Verlust regionaler Entscheidungsfreiheit
  • Stärkere Standardisierung
  • Zentralisierung von Entscheidungen
  • Fokus auf wirtschaftliche Kennzahlen

Für Einrichtungsleitungen wird daher entscheidend sein, wie stark lokale Besonderheiten auch innerhalb größerer Unternehmensgruppen berücksichtigt werden.

Der Pflegemarkt steht vor einer neuen Phase

Die Ankündigung der COREH CARE Holding zeigt, dass Investoren weiterhin erhebliches Potenzial im Pflege- und Gesundheitsmarkt sehen.

Während in den vergangenen Jahren vor allem über Insolvenzen und wirtschaftliche Schwierigkeiten gesprochen wurde, rückt nun zunehmend die Frage in den Vordergrund, wer diese Einrichtungen künftig betreiben wird.

Für Träger, Geschäftsführer und Einrichtungsleitungen lohnt es sich daher, die Entwicklung genau zu beobachten. Die kommenden Jahre könnten von einer stärkeren Konsolidierung des Marktes geprägt sein, bei der größere Gruppen, Investoren und Plattformmodelle an Bedeutung gewinnen.

Fazit

Der Trend, Pflegeheime zu übernehmen, dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Steigende Anforderungen, wirtschaftlicher Druck und Nachfolgefragen schaffen neue Chancen für Investoren und größere Betreibergruppen.

Für Träger und Einrichtungsleitungen bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig einen Verlust von Selbstständigkeit. Vielmehr können strategische Partnerschaften, Nachfolgelösungen oder Übernahmen in einzelnen Fällen dazu beitragen, die Versorgung langfristig zu sichern und notwendige Investitionen zu ermöglichen.

Die entscheidende Frage wird sein, welche Investoren neben Kapital auch die notwendige fachliche und organisatorische Kompetenz mitbringen, um Pflegeeinrichtungen nachhaltig weiterzuentwickeln.

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